Der böse Nullzins

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Seit März 2016 verharrt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0 %. Diese Entscheidung erfolgte im Zuge der Schulden- und Eurokrise. Viele Ökonomen und betroffene Sparer fragen sich seitdem, wann die EZB diesem Nullzins ein Ende bereitet. Die Antwortet lautet: Es dauert noch bis mindestens Ende 2019. 

Was der Nullzins für Sparer bedeutet

Für Sie als Sparer ist das eine schlechte Nachricht: Sie müssen sich bei Tages- und Festgeldanlagen weiterhin mit mickrigen Zinsen begnügen. Dasselbe gilt für Anlageformen wie verzinste Sparpläne und viele Altersvorsorgeverträge. Die Deutsche Bundesbank nannte im Januar 2019 zum Beispiel für Tagesgeldkonten deutscher Institute einen durchschnittlichen Zinssatz von 0,02 %. Zahlen Sie Geld auf ein Tagesgeldkonto ein, hat das fatale Folgen: Angesichts der höheren Inflation verliert Ihr Vermögen real an Kaufkraft. Bei den meisten Festgeldkonten trifft dieser Befund ebenfalls zu.

Dieser Zustand basiert nicht ausschließlich auf dem Nullzins. Zugleich verlangt die Europäische Zentralbank für Einlagen der Banken einen Negativzins von aktuell – 0,4 %. Auch dieser Wert führt dazu, dass die Institute so geringe Zinssätze bieten. 

Gründe für den Nullzins

Die EZB verteidigt die Absenkung des Leitzinses auf 0 % 2016 mit mehreren Argumenten, mit welcher sie bereits die vorhergehende, mehrjährige Niedrigzinspolitik erläutert hatte. Dazu gehört die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum. Lange Zeit verzeichneten die meisten Mitgliedsstaaten ein niedriges Wirtschaftswachstum. Ein niedriger Zins oder ein Nullzinsstellen ein probates Mittel dar, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dank geringer Zinssätze finanzieren Unternehmer und Privatpersonen preiswert, das fördert Investitionen und den Konsum. Zugleich verweist die EZB auf die Inflationsrate, die zwischendurch bedenklich niedrig war. Eine zu geringe Inflationsrate kann das Wachstum senken, weil der gewerbliche und der private Sektor auf fallende Preise hoffen und Investitions- und Kaufentscheidungen deshalb verzögern. Zusätzlich droht Firmen eine Stagnation oder ein Sinken der Umsätze.

Die Schuldenkrise in mehreren Staaten kommt als weiterer Grund für den Nullzins und die insgesamt expansive Geldpolitik hinzu. Zu hohe Leitzinsen verteuern die Finanzierungskosten für Staaten, für ein Krisenland wie Griechenland und gefährdete Staaten wie Italien wäre dies eine fatale Nachricht.

Warum die EZB vorerst am Nullzins festhält

Die Umstände für eine Abkehr vom Nullzins haben sich inzwischen verbessert. Erstens hat sich die Wirtschaft in der Eurozone erholt, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für 2018 ein Wachstum von 1,9 %. Zweitens hat sich auch die Inflationsrate erhöht, auf 1,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

Die EZB bleibt aber vorsichtig und wird den Nullzins bis mindestens Herbst 2019 nicht ändern, so die Aussage nach der Januar-Tagung. Auch die fünf führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland, darunter das Ifo-Institut und DIW Berlin, prognostizieren in einem gemeinsamen Gutachten einen anhaltenden Nullzins bis zum Jahresende. Danach soll laut den Volkswirten ein minimaler Anstieg auf 0,25 % und bis Ende 2020 auf 0,75 % folgen. 

Diese Zurückhaltung lässt sich erklären: Aufgrund zahlreicher internationaler Probleme gehen Fachleute von einem Abkühlen der Konjunktur aus. In seiner Konjunkturprognose von Dezember sagt das Ifo-Institut für Deutschland eine Abschwächung des Wachstums von 1,5 % 2018 auf 1,1 % 2019 voraus. In anderen Euro-Ländern rechnen Experten ebenfalls mit einem Rückgang. Deswegen betrachtet die EZB den Nullzins weiterhin als wichtige Maßnahme, um das Wachstum zu stützen. Zudem strebt die Zentralbank bei der Inflationsrate mit knapp unter 2 % eine Marke an, die sie mit momentan 1,6 % noch nicht erreicht.

Ob sie sich Ende 2019 tatsächlich vom Nullzins verabschiedet, hängt von zahlreichen Faktoren ab: Erwähnung verdienen der Brexit und der Handelsstreit mit den USA, die beide die wirtschaftliche Entwicklung belasten.

bohlen

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