Folgen der US- Zölle für die Weltwirtschaft

Folgen der US- Zölle für die Weltwirtschaft

Zölle der USA steigen

Entstanden aus der Absicht, Staatseinnahmen zu erhöhen, kam es nach dem zweiten Weltkrieg weltweit zu einem Überdenken der Zölle. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Staaten den größten Profit haben, wenn Handelsumsätze und damit indirekt die Steuereinnahmen zunehmen, nicht aber die Zölle. Weltweit wurden Zölle verringert und Handelsschranken durch das internationale GATT-Abkommen und ab 1995 durch die neu gegründete Welthandelsorganisation abgebaut. In Europa wurden in einem Siegeszug ohnegleichen durch die Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, später EU) die Zölle auf dem Kontinent abgeschafft und die Grenzbäume zugunsten des freien Handels von Waren und schließlich auch von Dienstleistungen abgebaut.

Antimiani und Costantini haben in ihrer Studie „Trade performances and technology in the enlarged European Union“ 2013 nachgewiesen, dass umgekehrt der Wegfall der Zölle für neue EU-Mitglieder gewaltigen Exportzunahmen generierte.


Verschiedene Gesellschaften wie die USA nach der Rezession der dreißiger Jahre haben sich zeitweise vom freien Handel abgekoppelt und ganz auf die binnenwirtschaftliche Entwicklung gesetzt. Langfristig hat davon jedoch niemand profitiert. Diese Konzentration auf die eigenen Interessen erlebt heute in den USA unter Donald Trump eine Renaissance

Zölleerscheinen dabei neben der Steuerreform als wichtigstes Instrument.


In den letzten Jahrzehnten hat sich der Welthandel dramatisch verändert, wie das IFO-Institut in seiner Studie „Zölle im transatlantischen Handel“ vom März 2018 aufzeigt. Die EU hat durch die Osterweiterung und den Abbau der Zölle erheblich an Gewicht gewonnen. Andere Nationen wie Südkorea und China haben die Bühne des Welthandels als Global Player neu betreten und auch durch niedrige Zölle davon profitiert. Einer der Nutznießer der Erweiterung der EU und des Welthandels ist Deutschland mit seinen Exportüberschüssen. Sie entstehen nicht durch niedrige Zölle, sondern resultieren aus dem Verfall der Rohstoffpreise, den nur moderat gestiegenen Lohnkosten und deutlichen Wettbewerbsvorteilen im Hochtechnologiebereich.

Heute sind die Zölle der USA überwiegend niedriger als die Zölle der EU, wie die IFO-Studie aufzeigt. Dennoch sind die Zollzahlungen der Europäer aber geringer als die der USA, weil die dortigen Importe um rund 150 Milliarden Euro pro Jahr über den Importen der EU aus den USA liegen. Insoweit zählten die USA tatsächlich zu den Verlierern in der Welthandelsentwicklung. 


Abhängig vom Reifegrad der im Land hergestellten Güter neigen Industrienationen mit hoher Produktionsqualität zu Handelsüberschüssen. Der Welthandel nimmt weiterhin dramatisch zu, weil der technische Fortschritt den Handel von Zwischenprodukten befördert und andererseits die Logistikkosten tendenziell sinken. Eine „New World of Trade“ zieht auf, wie es der frühere EU-Handelskommissar genannt hat. 


Von den USA neu eingeführte Zölle wie etwa auf Stahl und Aluminium verletzen laut IFO Institut die Grundsätze der Welthandelsorganisation. In der Studie „Dimensionen und Auswirkungen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA“ zeigt das IFO-Institut auf, dass die USA von einer umfassenden Liberalisierung deutlich stärker profitieren würden als Europa. Umgekehrt ist für die USA mittelfristig aus steigenden Zöllen höherer Schaden zu erwarten als für Europa. Diese Prognose haben viele Institute, darunter das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), bestätigt. Das Wifo-Institut sagt den USA den Verlust von 50.000 Arbeitsplätzen voraus, der EU einen von 20.000 allein durch die gestiegenen Stahl- und Aluminiumzölle. 


Mit der Studie „US-Steuer-und Handelspolitik – Einschätzung der Auswirkungen“ aus 2018 legt das Ifo-Institut die Ergebnisse einer weltweiten Befragung von Experten hinsichtlich der vermuteten Folgen der US-Zollpolitik vor. Danach besteht ein Konsens, dass diese Zollpolitik von Nachteil sowohl für die USA als auch für die übrigen großen Akteure der Weltwirtschaft sein wird. Die USA wird danach mit dieser Politik auf der Verliererseite bleiben.

Nach einer Studie der Europäischen Zentralbank vom September 2018 werden erhöhte US-Zölle in den USA Arbeitsplätze kosten und ein Absinken des Lebensstandards zur Folge haben. Weltweit wird in der Vorhersage der EZB allerdings die von der Zollpolitik ausgehende Unsicherheit zu deutlichen Investitionshemmnissen führen. Kein deutsches Forschungsinstitut erwartet aus der neuen US-Zollpolitik Vorteile für die wirtschaftliche Entwicklung der USA.

bohlen

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